APPELL AN DIE POLITIK – EVENTS IN ZEITEN VON CORONA

Veranstaltungen in der Corona-Krise 2020/2021 – wie geht die Eventbranche mit erzwungenem Stillstand um

Im vergangenen Jahr wollte Allodien Member Rittergut Remeringhausen das 20-jährige Jubiläum des Parkfestivals Romantic Garden feiern, mit dem das Rittergut 2001 erstmals für Besucher öffnete. Bis kurz vorher konnte man wegen der Situation um den Corona-Virus nicht sagen, ob dieses Event stattfinden würde oder wann es stattfinden könnte. Zu dem Zeitpunkt herrschte ein Verbot fьr “Großveranstaltungen” bis zum 31. August 2020. Das hätte den geplanten Termin des Gartenfestivals eingeschlossen.

Daher entschloss man sich zu einem Appell an die Politik

Tania v. Schöning dazu: »Nach zwei Jahrzehnten liebevoller und aufwändiger Sanierung ist aus dem Rittergut Remeringhausen ein Kleinod für kulturelle und andere Veranstaltungen geworden, welches ein Publikum aus ganz Deutschland anzieht und seit 20 Jahren mit verschiedenen Events zur kulturellen Belebung des Landkreises Schaumburg und des Landes Niedersachsen beiträgt.

Die Familie lebt auch heute mit drei Generationen von den Erträgen des Betriebes.  Durch die Events waren wir in der Lage, dieses Kleinod nach und nach zu sanieren und auf diesem Wege die Gebäude langfristig als wichtiges Zeugnis vergangener Kultur zu erhalten. Gleichzeitig konnten diese durch dieVeranstaltungen auch für ein breites Publikum geöffnet werden, was auch sehr angenommen wurde.«

Nicolaus v. Schöning ergänzt: »Jeder Cent, den wir hiermit erwirtschaften konnten, wurde natürlich direkt vor Ort wieder investiert. So waren wir in der Lage, das denkmalgeschützte Gebäude-Ensemble wieder vervollständigen. Außerdem haben Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen können. Unserem engagierten Mitarbeiterteam konnten wir bis vor kurzem eine verlässliche Einkommensgrundlage bieten. Dann kam Corona….».

Die große Schwester Schloss Marienburg 

In 2019 hat das Ehepaar v. Schöning mit viel Optimismus und großem Enthusiasmus auch die Bewirtschaftung von Schloss Marienburg übernommen. Mit dem dortigen Team, bestehend aus 60 Mitarbeitern, bietet man das Schloss-Museum, ein Restaurant und einen kleinen Schloss-Shop an. Veranstaltungsräume und ein besonderes Konzept an Open-Air Konzerten und anderen kulturellen Veranstaltungen ergänzt den Verantwortungsbereich. Gemeinsam mit dem Team wurde hart daran gearbeitet, zu Saisonbeginn den Besuchern ein ganz neues Schloss-Erlebnis bieten zu können.

Das Ehepaar v. Schöning erzählt: »Als im März 2020 bekannt wurde, dass Museen, Restaurants, Hotels etc. schliessen müssen, und Hochzeiten sowie weitere Veranstaltungen nicht mehr stattfinden dürfen, mußten wir Maßnahmen ergreifen. Wir haben wir uns nach dem ersten Schock mit den Mitarbeitern beider Betriebe zusammengesetzt und nach Möglichkeiten und Ideen gesucht, um das Beste aus dem Stillstand zu machen.

Schweren Herzens meldeten wir für alle Mitarbeiter Kurzarbeit an. Mit bis dahin gebuchten Brautpaaren stimmten wir Ausweichtermine ab. Dieses Quasi-Berufsverbot ließ uns nun nach neuen und frischen Ideen für die Zeit nach Corona suchen. Wir entwickelten außerdem Schutzkonzepte zur Einhaltung aller Abstands- und Hygieneregelungen bei unseren Veranstaltungen auf beiden Betrieben sowie im Restaurant und im Museum von Schloss Marienburg.

Selbstverständlich war uns klar, dass die nächsten Veranstaltungen nur unter genauester Einhaltung dieser Schutzkonzepte vonstatten gehen könnten und wir eine besondere Verantwortung gegenüber unseren Gästen und unseren Mitarbeitern gegenüber haben. Aber wir wollten weitermachen!«

Veranstaltungen in Zeiten von Corona

Auch jetzt ist Nicolaus v. Schöning noch nahezu fassungslos: »Als wir 2020 die ersten Pressekonferenzen der Bundesregierung bezüglich der Lage und der damit verbundenen Einschränkungen und Beschränkungen sahen und dann die Konkretisierungen der Landesregierung dazu lasen, waren wir gelinde gesagt entsetzt. Weder Tourismus, noch Gastronomie oder Kultur fanden hier eine Erwähnung. Es hieß sogar, dass Veranstaltungen mit 1000 Personen ohne jede Ausnahme auf besondere Gegebenheiten bis mindestens zum 31.8.2020 generell verboten sein würden!

Man stelle sich das vor, uns als Outdoor-Veranstaltung, wurde verwehrt, was Möbelhäusern, Baumärkten, Autohäusern, Kaufhäusern und anderen Geschäften gestattet wurde. Alle diese Unternehmen konnten unter kreativer Umsetzung der neuen Abstands- und Hygieneregeln weiter wirtschaften – wir als Veranstaltungsort nicht. Damit entzog man uns das Recht auf Berufsausübung, indem man eine nicht nachvollziehbare Bewertung von Betrieben in systemrelevant und irrelevant vornahm – und wir offensichtlich als letzteres eingestuft wurden.«

Appell und Forderung an die politischen Entscheider

Nicolaus v. Schöning erinnerte sich an die Lage, die auch in 2021 nicht ander ist: »Beide Betriebe, sowohl Rittergut Remeringhausen als auch Schloss Marienburg waren damit komplett stillgelegt. Bereits zu dem Zeitpunkt – das Veranstaltungsjahr hatte ja noch nicht einmal richtig begonnen – fehlten durch all die Absagen und Stornierungen die Einnahmen eines halben Jahres.

Wenn wir nicht mehr wirtschaften können, so betrifft dieses nicht nur unsere Familie und unsere 70 Mitarbeiter, sondern auch rund 300 Aussteller unserer Events. Dazu kommen noch viele Hotels, Künstler und Musiker, Bühnentechniker, Eventausstatter, Caterer, Zulieferer, Reinigungsfirmen und Handwerksbetriebe, die von unseren Veranstaltungen leben.

Das, was wir durchmachten und immer noch durchmachen, betrifft nicht nur uns, sondern Tausende Betriebe in der Gastronomie, in der Kultur-, Tourismus- und Freizeitbranche. Es ist nicht absehbar welche verheerenden Auswirkungen diese Massnahmen auf unsere Gesellschaft haben werden.« Das war in 2020 und es gilt immer noch – eigentlich mehr denn je.

Diese Forderungen wurden in 2020 publik gemacht – vermutlich gelten sie in 2021 auch wieder:

  • gleiche Rechte für ALLE Betriebe, branchenübergreifend, die Regeln zum Infektionsschutz wirkungsvoll umzusetzen, um unter gleichen Bedingungen wie Baumärkte, Wochenmärkte, Möbelhäuser weiter wirtschaften zu dürfen.
  • eine einheitliche Definition für Großveranstaltungen in allen Bundesländern, damit es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommt.
  • spezielle Regelungen für Outdoor-Veranstaltungen z.B. in großen Parkanlagen in ländlichen Gegenden zu ermöglichen, bzw. diese anzupassen an die Größe und Lage des Veranstaltungsortes.
  • Steuererlass statt Steuerstundung für betroffene Betriebe.

Es wurde ein Papier, eine Vorlage, mit Argumenten für eine Neubewertung von Großveranstaltungen insbesondere im Hinblick auf Gartenfestivals ausgearbeitet. Mit der Bitte, in möglichst großer Zahl – als Veranstalter von Events, als Besucher dieser Veranstaltungen und als Aussteller – an die Entscheider in der Politik heranzutreten, wurde dieses Papier auf der Website vom Rittergut Remeringhausen veröffentlicht. Außerdem wurde darum gebeten, diese Forderungen in den Sozialen Medien und auf den Websites zu teilen und zu veröffentlichen.

Das Resümee in 2020

Für eine gewisse Zeit waren im Sommer Gartenevents möglich. Rittergut Remeringhausen war hier mit einem gut funktionierenden Schutzkonzept ein Vorreiter mit dem Event British Weekend. Auch das Parkfestival Romantic Garden konnte im August 2020 stattfinden. Ein späteres Event – der Novemberklüngel mußte dann wieder abgesagt werden. Zum Winter hin explodierten die Infiziertenzahlen bereits wieder. Wie die Lage sich in 2021 noch entwickeln wird, ist derzeit nicht absehbar.